Kurz bevor wir die Südinsel verlassen entscheidet Stefan – so sagt zumindest David –, dass wir bisher zu wenig auf der Südinsel wandern waren. Also diskutiere ich etwas länger mit der Frau in der Touri-Info und wir buchen einen 2,5 Tages Trip in die Marlborough Sounds. Die Sounds sind ein sehr langer Fjord mit fast unberührter Natur. Vereinzelt gibt es Privatgrundstücke mit Menschen die Ferienwohnungen anbieten und sonst wohl ziemlich alleine Robinson Crusoe spielen und mit dem Boot in den malerischen Buchten liegen. Wir buchen eine erste-Sahne Rundtour mit Gepäcktransport. Dieses 5-Sterne Wandern ist inklusive und ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen. Wir werden mit dem Boot 5 Buchten weiter gefahren und kommen an einem einsamen, verlassenen Bootsanleger mit Vergessene-Insel Charakter an. Von hier aus laufen wir, nur mit leichtem Gepäck, los. Das schwere Gepäck mit Zelt, Schlafsack und Verpflegung wird zum nächsten Campingplatz transportiert. Das war im Preis schon drinne und ich “höre mich nicht nein sagen” zu so viel Luxus.
Kaum betreten wir die Insel ist das Südseeinselgefühlt perfekt. Ich fühle mich wie Käptn Cook. Der Gedenkstein erinnert uns auch direkt daran, dass dieser hier gleich 5 Mal angelegt hat, weils so schön ist. Ein fester Wanderpfad, steil und gut ausgetreten geht gleich steil nach oben. Es ist tierisch laut. Im wahrsten Sinne, denn die Vögel und Grillen machen einen Krach wie sonst nur im Zoo. Es grillt und zirpt an allen Enden und mittendrin hören wir immer wieder ein kaputtes Radio (den Tui) und ein leises Gebelle (den Bell-Bird). An den Aussichtspunkten sieht man über die Buchten mit ein oder zwei einsam ankernden Schiffen und wunderschönem, blauem Meer. Eigentlich würd ich gerne drin schwimmen, aber trotz des guten Wetters ist das Meer ziemlich eisekalt. Nach 27 Kilometern kommen wir am Campingplatz an. Martina begrüßt uns, eine gefühlt uralte Holländerin die vor 40 Jahren in Neuseeland kleben geblieben ist. Wir bauen unser Zelt auf und klönen mit zwei jungen Israelis in Flitterwochen, einem Pärchen aus London und Nico, einem Krankenschwester aus Belgien. Nico möchte die komplette Südinsel durchqueren und kommt mit einem Riesenrucksack angelaufen. Ich glaube er hat alles dabei, inklusive Ledersandalen, Karten, Kompass und einer Gelassenheit das er das schon alles irgendwie hinkriegen wird. Beim späteren Zusammensitzen erzählt er uns, dass wir Deutschen uns mit den paar Bundespräsidenten mal nicht so anstellen sollen, schließlich müssen die Belgier 3-4 Königinnen und zwei Könige durchfüttern, das wäre für so ein kleines Land auch nicht gerade billig.
Am nächsten Morgen regnet es in Strömen und wir bauen das Zelt nass ab und bringen es zum Anleger, damit das Schiff es zum nächsten Campingplatz mitnehmen kann. Das ist schon praktisch und wirklich nur zu empfehlen. Die Israelis sind schon früh weg, die Londoner starten als wir aufstehen und kurz nach uns läuft Nico los. Ein Riesenrucksack mit Beinen geht wandern.
Noch kurz was in eigener Sache: Ich hab mir beim Wandern irgendwie den Nerv am linken Fuß überreizt. Die Wanderschuhe drücken und ich kann kaum laufen. Daher nehm ich jetzt immer meine Laufschuhe mit und wander damit. Das ist zwar blöd, weil ich die schweren Schuhe schleppen muss, aber es läuft sich besser. Also Mitleid bitte an dieser Stelle.
An einem Campground, den wir zum schlafen überspringen, aber an dem wir trotzdem Pause machen treffen wir – unserer hohen Kommunikationsfähigkeit sei dank – eine weiter Deutsche, Silke, und unseren Belgier Nico. Gemeinsam mit Silke ziehen wir weiter und wir sind ganz froh über neuen Gesprächsstoff. Silke kommt aus Wiesbaden und lokalisiert unseren Ursprung im Rheingau. Aber wir sagen nix und sind freundlich 😉 So gehts weiter bis zum letzten Campground – Cowshed Bay. Dort geht Silke ins Hostel und wir bauen unser Zelt auf. Kurz drauf kommt dann auch Nico angewackelt und baut sein Zelt neben uns auf. Er kämpft mit den Weka – entenartigen Vögeln – um seine Zahnbürste, die Biester klauen wie verrückt. Es gibt bei uns Nudeln mit Tomatensauce. Gestern gabs Carbonara. Ich urteile hart aber bestimmt, Saucen können die Neuseeländer nicht so gut. Wir haben aber auch die Fertigsauce von Mars gekauft…. wenn man schon sonst nur Schokoriegel herstellt, sollte man auch dabei bleiben. David geht früh ins Bett und ich sitze noch mit Nico am Anleger. Ich weiß ja nicht wie er das macht, aber der kommt ganz schön rum, fährt mit dem Fahrrad und wandert. Ich hab ihn mal auf Eifel- und Rheinsteig aufmerksam gemacht. Vll. kommt er ja mal vorbei.
Am nächsten Morgen schlafen wir aus, frühstücken und gehen in aller Ruhe zum Boot. Das kommt gegen 11 Uhr und wir setzen in 15 Minuten über. Wieder zurück in Picton suchen wir uns einen hübschen, anderen Campingplatz. Den ersten fand ich hier nicht so gut. Der neue ist wirklich schick, aber es gibt keinen Empfang. Ihr müsst also auf den Blog noch etwas warten.


Eine Runde Mitleid für Stefans Fuß – und gute Besserung!
Frohes Fest euch. Der Temperaturunterschied ist übrigens gar nicht so groß: Das Thermometer hier zeigt 16 Grad.
Weihnachtliche Grüße von Nicole