Routeburn Track – Die Nacht und Tag zwei

Nachdem wir die Nudeln vertilgt hatten verkrochen wir uns schnell ins Zelt, denn das Wetter wurde immer ungemütlicher. Wind und viel Regen waren inzwischen aufgezogen. Trotz des Getrommels durch den Regen auf dem Zeltdach schliefen wir recht schnell ein, war ja schließlich ein anstrengender Tag gewesen.

CIMG2752In der Nacht so gegen 1:00 stellen wir fest, das es in unser billiges Spitzzelt an den Stirnseiten reinregnet und wir nasse Köpfe und Füße bekommen würden. Also versuchten wir uns so gut wie möglich auf dem kleinen Raum zusammen zu rollen und noch ein paar Stunden zu schlafen. Unsere Schlafsäcke wurden natürlich oben und unten trotzdem nass und an wirklichen, erholsamen Schlaf war nicht zu denken…

Am Morgen war ich gegen 8:00 nicht mehr im Zelt zu halten, wie soll man gut schlafen, wenn man sich nicht drehen oder strecken kann? Also Teewasser kochen und dem Tag die Stirn bieten, egal was das Wetter sich sonst noch so einfallen lässt.

Am “Cooking-Shelter” wurde ich von anderen Campern mit der ironischen Frage begrüßt, ob ich auch gut geschlafen hätte. Offensichtlich hatte es nicht nur in unser Zelt reingeregnet, sondern auch in die teuren Zelte. Mit dem ersten Tee in der Hand gehe ich zurück zum Zelt und versuche Nicole und Nancy zu wecken. Wegen des andauernden Regens war deren Laune beim Aufwachen noch immer im Keller und wir brauchten jeder 3 Tassen Tee und jede Menge Zeit um vom Camping Platz los zu kommen und mit gepackten Sachen in Richtung Bergsattel zu marschieren.

CIMG2758Am Mackenzie See kann man sehr deutlich sehen, dass es eine Menge geregnet hatte: Über Nacht ist er geschätzte 80cm angestiegen… Wir laufen weiter um den See ein Stück den Weg zurück bis zu den Hütten, wo wir den Hauptweg gestern verlassen hatten. Danach Richtung folgen wir dem Wegweiser in Richtung “Harris Saddle”, 3.5 Stunden Laufzeit gibt das Schild an. Das Wetter schein ein klein wenig aufzuklaren, sogar die Sonne schein ein wenig. Wir fassen etwas Mut und stapfen weiter bergan durch den dichten Regenwald. Die erste Wanderin, die uns entgegen kommt, mein was von Schneesturm da oben; ernüchtert legen wir einen Zahn zu um so bald wie möglich die Schutzhütte auf dem Sattel zu erreichen. Kurze Zeit später erreichen wir die Baumgrenze und wir haben einen schönen Blick auf den See, an dem wir gestern gezeltet haben. Während sich der Pfad weiter den Berg hinauf windet fängt es wieder an zu regnen. Trotzig ziehen wir die Kapuzen auf und schnüren sie gut zu.

CIMG2761Der Pfad ist mittlerweile so schmal, dass wir nur noch hintereinander gehen können. Wenn Wanderer entgegen kommen, muss man manchmal erst eine Stelle suchen, wo man genug Platz hat um die Leute vorbei zu lassen. Die Vegetation wir immer karger und das Wetter noch schlechter, es fängt nämlich an zu schneien. Der Wind ist zum Glück einigermaßen erträglich aber Handschuhe sind trotzdem angebracht. Durch das Wetter werden Gespräche immer weniger und die Stimmung teilweise gereizt. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich den Unterstand auf dem “Harris Saddle”. Wir schlüpfen in die kleine Hütte und machen unsere wohl verdiente Mittagspause.

Eine Tasse Tee wärmt Hände und dann auch von innen. Zu essen gibt es Brot mit Käse und Salami, dazu Müsliriegel und Äpfel. Für Unterhaltung sorgen die anderen Wanderer. Da ist ein Holländer, der heute vom Parkplatz im Osten  gekommen ist, das ist da wo wir morgen hinwollen. Dieser verrückte Mensch hat nur Baumwollsachen und eine Shorts mit, aber wir kommen durch ihn auf die Idee, heute schon bis zum Auto zu laufen und keine weiter Übernachtung mehr zu machen. Dann sind da noch zwei andere deutsch-neuseeländische Pärchen, die ebenfalls große Etappen vorhaben oder heute schon geschafft haben. Alle machen uns Mut, dass es bis zum Parkplatz im Osten ohne Probleme zu schaffen ist.

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Nach der Pause werden wir durch grandiose Blicke auf einen See hinter dem Sattel und das Routeburn Tal entschädigt. Wir steigen das Tal entlang einer Bergflanke hinab und erfreuen und immer wieder an der fantastischen Landschaft. Die zauberhaften und trotzdem imposanten Routeburn Falls beeindrucken uns. CIMG2802Nachdem wir die Routeburn Falls Hütte passiert haben, befinden wir uns plötzlich wieder unterhalb der Baumgrenze. Wir passieren einen alten Erdrutsch der uns einen tollen Ausblick auf die Ebene sowie einen Berg in Form eines Zuckerhutes beschert. Als wir schließlich unsere erste Hängebrücke erreichen ist die Freude groß! Über weitere Hängebrücken erreichen wir nach einer guten Stunde die Routeburn Flats. Hier machen wir nochmals eine Pause und beschließen den Campingplatz hier nicht zu nutzen, denn unsere feuchten Schlafsäcke und die Erinnerung an die letzte Nacht sprechen nicht für eine weitere Nacht im Zelt. Ich trenne mich hier von Nicole und Nancy und laufe voraus, Treffpunkt ist unser Ubi am Parkplatz.

Routburn Track Swing Bridge Der Weg folgt nun dem Routeburn, der sich teilweise tief in das Gestein eingegraben hat und die mächtige Kraft des Wassers eindrucksvoll demonstriert. Immer mehr Brücken sind zu überqueren und der Anblick des Flusses ist jedes Mal beeindruckend. Obwohl ich es kaum noch erwarten kann endlich den Parkplatz zu erreichen und entsprechend schnell gehe, dauert knapp 1.5 Stunden bis ich völlig kaputt den Parkplatz erreiche.

CIMG2813_stitch The Route Burn

Dort kann ich zunächst unser Auto nicht finden und ich fange an mich zu fragen ob Mike vielleicht das Auto doch erst morgen bringt. Nach wenigen Minuten kommt unser Ubi mit Mike und seiner Frau jedoch angefahren. Wir unterhalten uns und währenddessen kommen auch Nicole und Nancy. Ziemlich erschöpft machen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Als wir eine geeignete Stelle am Ufer eines Sees gefunden haben werden noch schnell Nudeln gekocht, die wir gierig verschlingen und dann sofort schlafen gehen.

Es war eine super Wanderung, aber Morgen ist erst mal ausruhen und das Trocknen unserer Sachen angesagt!

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